Corona-Chaos bei den Immenbecker Fußballern

IMMENBECK. Die Quarantäne der Immenbecker Fußballer wurde bereits nach vier Tagen aufgehoben. Die Begründung mutete allerdings abenteuerlich an: Das Gesundheitsamt des Landkreises Harburg ist für die Spieler aus dem Landkreis Stade nicht zuständig.

Können Landkreis-Grenzen das Coronavirus stoppen? Diese Frage haben sich am Freitag die Verantwortlichen des Fußball-Bezirksligisten TSV Eintracht Immenbeck gestellt. „Wir akzeptieren alles, was Menschen schützt, aber was dieser Unsinn soll, verstehe ich nicht“, kommentierte ein ziemlich genervter Immenbecker Fußballobmann Michael Rump das Corona-Behörden-Chaos am Freitag.

Wie berichtet, ist das Team von Eintracht Immenbeck die erste Fußball-Mannschaft aus dem Landkreis Stade im aktuellen Spielbetrieb, die in häusliche Quarantäne musste. Ausgesprochen wurde diese – zunächst für 14 Tage – durch das Gesundheitsamt des Landkreises Harburg in Winsen. Die Behörde war in dem Fall primär zuständig, weil bei einem Spieler des MTV Egestorf ein Test positiv ausfiel. Die Immenbecker als Gegner wurden daraufhin am vergangenen Dienstag mit in Quarantäne geschickt. In Egestorf hatte Immenbeck am vergangenen Sonnabend ein Freundschaftsspiel ausgetragen. Umso überraschter waren die Immenbecker Fußballer, als sie am Freitagvormittag aus Winsen den Anruf erhielten, dass die Quarantäne für sie bereits nach vier Tagen aufgehoben wird. Die Begründung mutete allerdings abenteuerlich an: Das Gesundheitsamt des Landkreises Harburg sei für die Spieler aus dem Landkreis Stade nicht zuständig. Ein Immenbecker Spieler aus der gleichen Mannschaft, wohnhaft im Landkreis Harburg, bleibt dagegen in Quarantäne, weil hier die Winsener Behörde zuständig ist.

Kommunikationspanne zwischen Winsen und Stade
Ein Sprecher der Harburger Kreisverwaltung bestätigte auf TAGEBLATT-Nachfrage den Vorgang mit dem Hinweis, dass der Fall an das Gesundheitsamt des Landkreises Stade abgegeben worden sei. Das Stader Gesundheitsamt wiederum wurde aber durch die Anfragen aus Immenbeck und vom TAGEBLATT am Freitagmittag von der Entwicklung überrascht. Im Grunde hätte die Stader Behörde bei Kenntnis des Harburger Vorgehens im Vorfeld selbst prüfen müssen, ob die Spieler in Quarantäne bleiben sollen. Dazu hatte sie aber keine Gelegenheit aufgrund der Kommunikationspanne zwischen Winsen und Stade.

Im Normalfall hätte bei einer erneuten Prüfung eigentlich auch kein anderes Resultat herauskommen sollen als bei den Ermittlungen der Harburger Kollegen. Ist es am Freitag aber doch: Am Ende verzichtete das Stader Gesundheitsamt auf eine Wiederaufnahme der Quarantäne. Begründet wurde dies damit, dass es sich um eine Freiluft-Veranstaltung gehandelt habe und Räumlichkeiten nicht gemeinsam genutzt worden seien.

„Ich bin nach einer Überprüfung zu einem anderen Ergebnis gekommen als meine Kollegen aus dem Landkreis Harburg“, sagte Dr. Ilka Hedicke, Leiterin des Stader Gesundheitsamtes, gegenüber dem TAGEBLATT. Sie bot der Immenbecker Mannschaft Corona-Tests am Montag in Stade an. Die Ergebnisse sollen bis Mittwoch vorliegen.

Die Immenbecker Spieler, die sich privat testen ließen, erhielten alle negative Ergebnisse. Der Immenbecker Spieler aus dem Landkreis Harburg bleibt aber auch weiterhin in Quarantäne.

Drei Spieler wollen unter diesen Bedingungen nicht mehr spielen
Für den Fußball im Landkreis Stade könnte diese Entscheidung des Stader Gesundheitsamtes ein Präzedenzfall sein. „Wenn unsere Spieler nicht wieder in Quarantäne geschickt werden, gibt es in vergleichbaren Fällen auch keinen Grund, dies zu tun“, sagt TSV-Obmann Michael Rump. Die Bedingungen, Freiluftsport und keine gemeinsame Nutzung von Räumlichkeiten mit der gegnerischen Mannschaft, dürften in der Regel für die meisten Fußballspiele gelten.

„Für uns ist das trotzdem eine bittere Geschichte“, sagt Michael Rump. Drei Spieler hätten schon angekündigt, unter diesen Bedingungen nicht mehr spielen zu wollen. „Für sie ist das Risiko des Jobverlustes zu groß“, sagt Michael Rump. Er habe auch überhaupt kein Verständnis dafür, dass die Spieler erst auf mehrfaches Drängen schriftliche Informationen von den Gesundheitsämtern erhalten hätten. Das würde gegenüber den Arbeitgebern nicht funktionieren.

Auch Teile der zweiten Herrenmannschaft der Basketballer des VfL Stade befinden sich in Quarantäne. Wie bei Immenbeck wurde ein Spieler einer gegnerischen Mannschaft außerhalb des Landkreises Stade positiv getestet. Nach den Ermittlungen durch das Stader Gesundheitsamt wurden acht Spieler, die längere Einsatzzeiten hatten, in eine 14-tägige häusliche Quarantäne geschickt. Die Punktspiele der Mannschaft wurden für die kommenden beiden Wochenenden abgesagt. Der Rest der Mannschaft – Trainer, Betreuer und Schiedsrichter – blieben ohne Auflagen.

Quelle: www.tageblatt.de – Karsten Wisser