Jugendspielgemeinschaft „HAI“ : Ein Erfolgsprojekt ohne Zukunft

IMMENBECK. Zwei Jahre lang haben der TSV Eintracht Immenbeck und die JSG Apensen/Harsefeld als Fußball-Jugendspielgemeinschaft „HAI“ kooperiert. Zwei Jahrgänge galten als Pilotprojekt mit Ausbaucharakter. Trotz des Erfolges wurde das Projekt eingestellt.

Vor zwei Jahren hatten der TSV Eintracht Immenbeck und die JSG Apensen/Harsefeld verkündet, in zwei Jahrgängen als gemeinsame JSG HAI in die Saison zu gehen. Die U 13 marschierte aus der Kreisliga in die Bezirksliga und scheiterte nun als U 14 nur knapp beim Relegationsturnier zum Landesliga-Aufstieg. Die U 14 von TSV-Trainer Alexander Weser schaffte sogleich den Aufstieg aus der Bezirksliga in die Landesliga. Als U 15 lieferte sich HAI in der abgelaufenen Saison ein Duell mit dem JFV A/O/Heeslingen und entschied die Meisterschaft mit sechs Punkten Vorsprung für sich. „Wir haben gute Jungs dazu bekommen. Die Spielgemeinschaft hat gezeigt, dass man so ein guter Konkurrent sein kann gegenüber A/O/H“, sagt Weser. Der Erfolgstrainer, der nach fünf Jahren mit diesem Jahrgang nun mit der U 8 eine neue Aufgabe übernimmt, findet es „schade“, dass
die Zusammenarbeit keine Zukunft hat.

»Ohne die gemeinsame Spielgemeinschaft wäre ein solcher Erfolg nicht möglich gewesen. Das hat gezeigt, dass man so gute Konkurrenz sein kann zum JFV A/O/H« Trainer Alexander
Weser, Landesligameister mit der U 15 der JSG HAI

TSV-Obmann Michael Rump spricht von infrastrukturellen Problemen und organisatorischen Gründen, weshalb die Zusammenarbeit keine Zukunft hat. Der anfangs anvisierte Ausbau auf mehrere Jahrgänge scheint derzeit nicht möglich. „Wir hatten uns zuerst erschrocken, dass es nicht weitergeht“, sagt Rump. In guten Gesprächen mit den JSG-Verantwortlichen wurden die Probleme aufgearbeitet. „Und wir wollen uns auch nicht verschlucken“, sagt Rump bezüglich eines krampfhaften Realisierungsversuches. Unter anderem haben die Eltern der JSG-Spieler realisiert, wie viel Aufwand besteht, allein die Fahrten nach Immenbeck zu bewältigen. Einen Fahrdienst für das Projekt HAI können die Vereine nicht realisieren.

Carsten Schult, Vorsitzender des JFV A/O/Heeslingen, bestätigt, dass es jede Saison aufs Neue ein „echter Kraftakt“ ist, allein die Fahrdienste zu organisieren. Ab der U 16 werden die Spieler des JFV an strategischen Knotenpunkten mit Bussen der beiden Stammvereine abgeholt. In den Jahrgängen dadrunter organisieren Eltern Fahrgemeinschaften.

In der HAI-Mannschaft von Alexander Weser haben die Eltern der JSG-Spieler mitgespielt. Nach der HAI-Auflösung bleiben die JSG-Spieler beim TSV Eintracht Immenbeck. Bis auf zwei: Die wechseln zum großen JFV A/O/H. Der JFV hat sich auch aus anderen Jahrgängen bei der Eintracht verstärkt. „A/O/H tut uns in diesem Jahr tatsächlich etwas weh“, sagt Rump.

Die HAI-Auflösung verlief dafür aus Immenbecker Sicht sehr konstruktiv mit den Verantwortlichen der JSG Apensen/Harsefeld. So bleiben die Startrechte für die beiden Jahrgangsmannschaften bei der Eintracht. Hätten sich die Vereine nicht verständigen können, wären die jeweiligen Mannschaften beider Vereine auf Kreisebene eingestuft worden.

Der TSV Eintracht Immenbeck bemüht sich nun wieder als Einzelkämpfer, mit seiner Jugendarbeit konkurrenzfähig zu bleiben auf höchstmöglicher Ebene.

Kooperation mit dem HSV

Dabei hilft sicherlich die Kooperation mit dem Hamburger SV, die die Eintracht Immenbeck ebenso seit zwei Jahren führt – und die auch fortgeführt wird.

Im Zuge der HSV-Partnerschaft veranstaltete der TSV gerade seinen zweiten Young Talents Day auf der Sportanlage Brune Naht. Fast 180 Nachwuchsfußballer der Jahrgänge 2006 bis 2009 haben den Weg nach Immenbeck gesucht – einige in der Hoffnung, von den HSC-Scouts entdeckt zu werden; die meisten, um einfach einen schönen Turniertag mit HSV-Flair zu haben. „Alles, was beim ersten Mal gut war, hat der TSV Eintracht Immenbeck nun noch einmal besser gemacht“, lobt Florian Graudegus, Leiter Regionalscouting des HSV-Leistungszentrums. Der Spaß am Fußball und die Marke HSV seien in Immenbeck transportiert worden. Der Sichtungsansatz kam dabei nicht zu kurz. Ein Teilnehmer reiste ganze 600 Kilometer. Und – ganz verrückt: Ein Kind aus Peru, tatsächlich aus Peru angereist, war dabei. Das Talent hatte sich zuvor schon mit diversen Videobeiträgen beim HSV-Leistungszentrum beworben, erzählt Graudegus. Der HSV reiße aber keine Kinder aus ihrem Umfeld, schon gar nicht aus dem Ausland. Der Peruaner schaffte es zusammen mit 16 anderen Teilnehmern aus Immenbeck vom Young Talents Day zum Talents Cup des HSV. Dort werden dann die Besten für HSV-Perspektivteams, die weiterhin beobachtet werden, ausgewählt. Dieses Mal schafften es 15 von knapp 250 Cup-Teilnehmern.

In Immenbeck werden solche jüngeren Perspektivspieler an den ersten zwei Montagen jedes Monats von HSV-Trainern trainiert. Immenbeck ist als Kooperationspartner südwestlicher Stützpunkt für regionale Talente, die der HSV beobachtet und begleitet. Neben der Eintracht kooperiert der HSV auf diese Weise noch mit Treubund Lüneburg und SV Eichede. „Die Zusammenarbeit mit Immenbeck ist sehr gut“, sagt Graudegus. „Der Austausch hilft uns“, sagt Rump. Beim letzten Trainerlehrgang des HSV in Immenbeck war die Nachfrage immens. Und gute Trainer seien die Basis für gute Jugendarbeit, betont Rump.

Quelle: Tageblatt – von Jan Bröhan