1. Herren: Am Ende stehen keine Punkte – Eintracht unterliegt dem ASC nach großem Kampf

IMMENBECK. Vor der Partie fiel die Immenbecker Ansprache diesmal ungewohnt kurz aus. Kurze taktische Ideen, Standard-Varianten und immer wieder das entscheidende Wort: Einsatz. Zugunsten der klaren Botschaft verzichtete der technisch versierte Coach Wiede sogar auf das iPad bei der Vorbesprechung und trotzdem war hinterher allen Spielern klar. Hier kann die Mannschaft nur auf eine Art und Weise zum Erfolg kommen.

Aufgrund des katastrophalen und demotivierenden Dauerregens muss die Partie frühzeitig auf den Stadtwerke-Kunstrasen an der Brune Naht gelegt werden. Das monotone Plätschern der Bindfäden von oben tut der guten Stimmung aber keinen Abbruch, sodass knapp 150 fußballgeile Sonntagsbummler sich am Spielfeldrand tummeln. Darunter auch viele Fans des anreisenden ASC, die gemeinsam mit dem Team die satten drei Kurven, die zwischen Estebrügge und Immenbeck liegen überwinden konnten. Schiedsrichter Studte aus Lamstedt hat da die mit Abstand weiteste Anreise. Kurzfristig fällt bei der Eintracht Innenverteidiger Schöngraf mit Knöchelproblemen aus. Durch den Urlaub von Jöran Blendermann wird es da hinten personell ein ziemlich enges Höschen. So muss Kevin Schulz zurück in die ungeliebte Abwehrrolle, die er über 90 Minuten tadellos ausfüllt und sich bereits vorab ein Sonderlob verdient. Beim ASC fehlen in der Stammelf der rotgesperrte Schliecker und Puppenspieler Pöppe (5. Gelbe). Wie erwartet beginnt der ASC schwungvoll und mit hohem Pressing. Unter Druck fällt die Spieleröffnung den Rot-Blau gekleideten Immenbeckern bekanntlich schwerer, sodass von Minute eins an das Mittel: „Langer Hafer“ berechtige Spielanteile bekommt. Ansonsten steht die Defensive des TSV weitestgehend stabil. Vor der Abwehr arbeiten die fleißigen Meyer und Stukenbrock sich am gewohnt flinken Sören „El Comadreja“ Hüttmann. Meyer arbeitet nach seinem Bürojob noch als Teilzeit-Pflug beim örtlichen Lohnunternehmer und fühlt sich bei den äußeren Bedingungen pudelwohl. Somit ergeben sich mehr Räume für Palm und von Loh, die jedoch bis zur 15. Spielminuten konsequent aus dem Strafraum gehalten werden. Dann gelingt es Sturmtank Schröder den einlaufenden Marcel Meyer in Szene zu setzen. Aus halbrechter Position scheitert er mit einem Flachschuss am hellwachen Bente zwischen den Pfosten (16.). Kurz darauf gibt es Freistoß in gefährlicher Position. 22 Meter, halblink – da juckt es allen Rechtsfüßen auf der Spannhaut. Das Rennen macht von Loh, dessen zentralen Schuss Bente über den Querbalken haucht (24.). Die Eintracht findet nach vorne bis dato kaum statt. Jonas Kock hat gegen die bombensicher verteidigenden Stahmer und Harms einen schweren Stand, hätte er mal besser die Regenreifen statt der Intermediates gewählt. Die defensive Ausrichtung der Immenbecker gibt zudem den starken Außenverteidigern des ASC große Spielanteile. Diese weiß vor allem LV Nommensen gut zu nutzen, der zeitweise bis zu vier Immenbecker zum Stangentanz bittet. Aus dem Nichts aalt die Eintracht sich dann doch mal vor das feindliche Gehäuse. Über Weseloh gelangt der Ball zu Aykaya, der allerdings den Ball nicht richtig trifft und Walther aus knapp 16 Metern vor keine Herausforderung stellt (29.). Optisch und spielerisch klar überlegen fehlt es den Gästen weiter an offensiven Hochkarätern. Das liegt zum einen an der defensiv stabilen Immenbecker Leistung, aber auch an einer gewissen Form von Ideenlosigkeit. Mit dem ersten Durchgang kann daher nur der gastgebende TSV zufrieden sein. Eine klare Steigerung, denn im Hinspiel wurde bereits früh der Grundstein zur letztendlich deutlichen 5:0-Pleite gelegt.

Für Halbzeit zwei bringt ASC-Trainer Brokelmann den frischen Rieper für Niclas Palm. Kurz darauf zückt er auch den Offensiv-Joker Yannik Meyer, der mit leicht gebückter Haltung und unglaublich ballsicherer Spielführung seinem Bundesliga-Namensvetter aus Frankfurt alle Ehre macht. Der Druck nimmt nun minütlich zu und die Eintracht schafft es nur punktuell überhaupt für den Ansatz von Entlastung zu sorgen. Die beste Chance vergibt Aykaya, bevor er den freistehenden Kock hätte bedienen müssen (52.). Vor allem über die rechte Offensivseite kommt Marcel Meyer für die Altländer besser in die Partie und prallt auf Müsings ebenbürtigen aber getarnt austrainieren Oberkörper. Beeindruckend, dass Meyer, auf dessen äußerer rechter Schulterplatte eine Taubenfamilie unbemerkt ihr Heim eingerichtet hat (vermutlich hat er den Flecken das letzte Mal in der E-Jugend mit eigenen Augen zu Gesicht bekommen – Entfernung und so), trotz der Masse ein derart schneller Spieler ist. Nach der Partie zeigt Müsing sich erleichtert: „Die richtig schnellen Spieler habe ich jetzt glaube ich durch.“ Kurz darauf kam die Einsicht, dass mit Hedendorfs White am Freitag ein ähnlich flinkes Kaliber wartet – lassen wir den Verteidiger noch kurz träumen. Zurück zum Spiel, denn hier wird es langsam kribbelig. Die Kräfte schwinden nach und nach und das Immenbecker Fundament beginnt zu bröckeln. Zunächst scheitert Hüttmann mit einem Freistoß am erneut starken Bente (60.). Den fußballerischen Vorschlaghammer schwingt dann Mannschaftskapitän Stahmer, der nach einer von Loh – Ecke per Fuß die verdiente Führung markiert (66.). Zuvor war er noch per Kopf gescheitert (63.). Kurz darauf kann Fabian Stahmer fast noch erhöhen, trifft aber nur den Außenpfosten (69.). Immenbeck wechselt nochmal offensiv, will mit Usko und Poppe das Angriffsspiel beleben (70.). Am Ende präsentiert die Eintracht sich offensiv einfach zu harmlos. Zehn Minuten vor dem Ende verpasst Quadratstürmer Jan Wegener die Vorentscheidung knapp (80.). Nach Traumpass von von Loh ist Yannik Meyer dann auch nochmal dran und steht blank vor Bente, der mit einem Sahnereflex zur Stelle ist (89.). Marvin Schmidt bereinigt die Situation im Anschluss. Schiedsrichter Studte pfeift die weitestgehend faire Partie ohne Nachspielzeit ab. Aus einer geschlossenen Mannschaftsleistung ragt Schlussmann Bente mit zahlreichen waffenscheinpflichtigen Paraden heraus. Auch die Abwehrreihe um Müller, Schmidt, Schulz und Müsing verdient sich Fleißkärtchen. Vor der Partie sicherte sich auch in der 1. Kreisklasse auch der ASC die drei Punkte in Immenbeck. Für die Eintracht traf Daniel Endruhn sehenswert von der Mittellienie bei der 1:2-Niederlage. Ein Lob geht an unsere U23, die sich im Abendspiel ein 1:1 gegen den ungeschlagegen Tabellenführer aus Hedendorf erkämpften.

Kevin Schulz zeigte eine starke Leistung (hier gegen Y. Meyer)! Kapitän Stahmer (im Hintergrund) trifft für den ASC. Foto: Archiv/Meier

Fazit: Kämpferisch bietet Immenbeck lange Paroli, ist spielerisch aber nicht in der Lage für die notwendige Entlastung zu sorgen. Am Ende zu sagen, ein Punkt wäre verdient, ist vermessen. Der ASC zeigt sich fußballerisch reifer und spielt geduldig. Wenn das Tor nach dem Standard nicht fällt, kann die Eintracht hier den Punkt mitnehmen – so sollte es am Ende nicht sein. Der Sieg für die Altländer, die nun an der Tabellenspitze stehen, geht in Ordnung, ist aber härter erkämpft, als von vielen vorab erwartet. Die Eintracht legt den Fokus nun klar auf das Ortsderby am Freitag. Es geht zu den VSV Hedendorf-Neukloster, wo zur BZL-Primetime um 20:15 mit toller Kulisse gerechnet werden darf. Im Hinspiel luchsten die Immenbecker dem Favoriten einen Punkt ab. Vielleicht kommen diesmal gar drei zusammen? Wir freuen uns auf das Derby mit den Schwarz-Weißen an der Feldstraße. Cranz-Estebrügge spielt am Sonntag in Wiepenkathen. Wir gratulieren zum Sieg und wünschen weiterhin viel Erfolg bei der Aufstiegsmission. Ein Dankeschön geht an dieser Stelle nochmal an die Zuschauer, die trotz den keineswegs hochklassigen Kicks leidenschaftlich dabei waren und im Regen ausharrten – für die Eintracht!

Für die Eintracht im Einsatz: F. Bente, E. Müsing, M. Schmidt, K. Schulz, L. Müller, M. Meyer (ab der 81. Minute R. Böttcher), M. Stukenbrock, C. Aykaya (ab der 70. Minute R. Usko), J. Schmidt, T. Weseloh (ab der 70. Minute M. Poppe), J. Kock

Torschützen (Vorlage): 0:1 H. Stahmer (66., von Loh)

Besondere Vorkommnisse: LKW-Hupe präsenter denn je, Weseloh holt Kopfball (38.); ETW Meier mit neuer schnieker Underwear-Hose in grau