1. Herren: Eintracht unterliegt MTV Hammah in umkämpfter Begegnung

IMMENBECK. Der Heimauftakt folgt für die Mannschaft von René Klawon und Dirk Lünsmann auf den dominanten 5:0-Erfolg in Drochtersen. Zu Gast ist mit dem MTV Hammah eines der Überraschungsteams dieser Saison, das nach nicht idealer Vorbereitung und dem letzten Pflichtspiel am 17.11.2019 in den Betrieb einsteigt. Müssen die Jungs erst auf Temperatur kommen?

Ab 12:45 Uhr empfing die Zweitvertretung der Immenbecker zum Buxtehuder Derby den Erzrivalen vom SV Ottensen. Und wie soll man es anders sagen – der SVO schleicht nach Abpfiff mit hängendem Kopf in Richtung Buxtehude Süd. Beim 6:1 hat die geschwächte Mannschaft nicht den Hauch einer Chance gegen die Eintracht, bei der Timo Weseloh gleich fünf Mal ins Schwarze traf. Pünktlich um 15:00 Uhr eröffnet Schiedsrichter Jannik Matthias die Partie und lässt 22 gierige Kläffer von der Leine. Um es galant auszudrücken, beide Teams schimpfen sich zweikampfstark und kommen gern über die physische Komponente ins Spiel. Über diesen wahrlich nicht neuen Sachverhalt könnte der Autor sich 45 Minuten auslassen. Der Unparteiische wählt eine lockere Linie, die sich beide Teams mit wiederholten Foulspielen unmittelbar zunutze machen. Besonders die zentralen Akteure bekommen reihenweise auf die Socken. Fußballerisch setzt der MTV in Durchgang eins vor allem auf lange Bälle von Spezialist Marvin Rapp. Einen der langen Schläge verlängert Kevin Schulz in Richtung eigenes Tor, wo Bente aufmerksam abhebt und die Murmel mit Seelenruhe über den Querbalken legt (12.). Nach Immenbecker Aufbau serviert Rapp erneut lang. Zwischen Immenbecks Kepper Souza da Silva und Nico Horn kommt es anschließend zum Pressschlag 30 Meter vor dem Tor. Das Leder entscheidet sich daraufhin, seine Karriere als Bogenlampe Richtung Immenbecker Kasten fortzusetzen. Diesmal muss Bente jeden Zentimeter Körpergröße aufbieten, um das im wahrsten Sinne des Wortes faule Ei abzukochen (14.). Die Partie bleibt von rauschenden Zweikämpfen geprägt und einige der Jungs laufen richtig heiß. Auf MTV-Seite holt Heißsporn Pannekamp sich gelb ab, kurz vor der Pause wird Immenbecks Sama nach einem Armwischer mit gelb verwarnt. Da gefühlt jeder Spieler wiederholt gefoult hat, muss Immenbecks Angreifer als Sicherheitsmaßnahme noch vor dem Pfiff raus. Er wird durch Mirco Poppe ersetzt (43.). Die beste Immenbecker Möglichkeit hat Souza da Silva, als er aus guten 25 Metern mit dem drallen Rechten abdrückt und einen guten Meter danebenzielt (44.). Unspektakulär aber von beiden Seiten doch sehr engagiert und berechtigterweise Unentschieden endet Durchgang eins.

 

Wurden in der ersten Halbzeit noch alle Instrumente gestimmt, so beginnt pünktlich zum Anpfiff der 46. Spielminute die Musik. Immenbeck bekommt links einen Einwurf zugesprochen. Utermark wirft sehenswert auf den erneut bärenstarken Luqman Krugmeier. Wer aus 35 Metern Entfernung nichts Böses ahnt, sollte dies zukünftig überdenken. Ungeachtet seiner Pommes-Waden setzt Krugmeier aus halblinker Position an. Mitspieler Poppe röchelt noch lautstark ein „Fackel!“ rüber – gesagt, getan! MTV-Schlussmann Dreyer fliegt hoch und sehenswert, das Leder fliegt schneller und noch sehenswerter und schlägt mit Tränen in den Augen im linken Knick ein. Zweifellos eines der schönsten Tore, die der Immenbecker Kunstrasen je gesehen hat (47.). Wie es leider so oft ist, wechselt das Momentum direkt. Man darf hier durchaus die Mentalität der MTV-Spieler loben, die nach der TSV-Führung prompt noch eine Schippe an Intensität nachlegen. Auf Immenbecker Seite ist die Präsenz ebenfalls sehr gut, die Fehler im Spiel nehmen aber zu. Nach Zuspiel von Hagner ist Mike Pye halbrechts durch. Der Pass ist zu lang und Pye spitzelt das Leder clever an Keeper Bente vorbei in Richtung Toraus – es folgt der Kontakt. Schiedsrichter Matthias entscheidet nach kurzer Rücksprache mit seinem Assistenten auf Strafstoß. Eine Chance auf den Ball bzw. ein Tor hätte es für Pye jeweils nicht gegeben, von daher gilt clever gemacht … Am Ende ist es ein Strafstoß der üblichen Sorte: Kann man geben, muss man aber nicht. Man darf drüber diskutieren, muss man aber auch nicht. Meyer läuft an und hat großes Glück, dass Katze Bente auf dem nassen Boden nur eine Hand an den Ball bringt und dieser in die Maschen rutscht (55.). Kurz darauf für wenige Sekunden das alte Immenbecker Gesicht. Ballverlust nach langem Schlag, zaghafte Rückwärtsbewegung und ein konsequenter Pannekamp. Hammah verlagert in drei Zügen von rechts hinten nach links vorne, wo Pannekamp durchbricht und sicher einschiebt (59.). Spiel gedreht, was den Pfiff zum Elfmeter nun doch umso bitterer macht. Nichtsdestotrotz bäumt Immenbeck sich sichtlich auf und stemmt sich mit voller Manneskraft gegen die Heimniederlage. Die Außen Arab, Poppe, Utermark und Müsing ackern mächtig, vorne werfen Peters und Krugmeier ihre Kadaver in alles was sich bewegt. Für den angeschlagenen Schulz kommt Offensiv-Youngster Kordian Banach in die Partie. Immenbecks sonst so kaltschnäuziger Stürmer Usko kann dann zum Helden werden: Mit seinem Tempo entwischt er endlich dem routinierten wie bärenstarken Wiebusch und trifft zwei Mal das Leder nach guter Vorarbeit von Arab (70.) und Peters (75.) nicht richtig. Dreyer packt sicher zu und leitet den Gegenzug ein. Was folgt ist eine klassische One-Man-Show. Hammahs feinster Fuß Matthias Meyer wird viel zu zaghaft mit Körperkontakt bedacht und wurschtelt sich von der rechten Seite an vier Gegnern vorbei auf die linke Seite des Strafraums. Mit seinem geeichten linken Schlappen zieht er wuchtig ins lange Eck ab – starkes Tor (76.). Abwehrchef Schmidt und eine Nebenmannen haben weitestgehend alles im Griff, es sind Einzelaktionen, die hier die Partie kippen. Vorne zeigt sich MTV kälter als das Trainingslager in Rocky 4. Wird Meyer hier zu Ivan Drago? Es sieht ganz danach aus. Doch die Eintracht fährt das System nochmal hoch und verkürzt direkt. Peters muss mehr einstecken, als die Herberstraße im Hochbetrieb und holt einen Freistoß an Bord. Krugmeier läuft an, Poppe täuscht 4x an, Krugmeier schießt – an den Kopf eines Maurers, uns vorbei am chancenlosen Dreyer im Kasten – 2:3 (78.). Es verbleiben knallharte 12 Minuten. Angriff um Angriff rollt in die MTV-Hälfte. Meist verpuffen die Bälle wirkungslos, aber die Gäste können sich nicht mehr wirklich befreien. Nach feiner Hereingabe von Arab rutscht Usko minimal am Ball vorbei (83.) Für den aufgeriebenen Peters kommt Feinfühler Raschke (88.). Eine Ecke von rechts segelt in den MTV-Strafraum. Dem vermeintlich klärenden Kopfball folgt ein Schuss aus dem Rückraum, der abgefälscht zweifellos am armen Dreyer vorbei eingeschlagen hätte. Da Fußball aber bekanntlich kein Spiel der Konjunktive ist, parkt Hammahs Baumgarten auf der Linie und klärt (90.). Feierabend!

 

Fazit: Am Ende wäre die Punkteteilung aufgrund vieler gleichwertiger Faktoren sicherlich das gerechte Ergebnis gewesen. Der MTV belohnt sich aber mit einer geschlossenen und couragierten Leistung über 90 Minuten. Vorne eiskalt und von Fehlern profitierend, hinten weitestgehend sicher. Die Eintracht hat erneut viele gute Eigenschaften gezeigt, verbaut sich durch individuelle Fehler aber ein besseres Ergebnis. Wir senden Glückwünsche an den MTV und wünschen nur das Beste für die Rückrunde. Kommenden Sonntag spielen die Immenbecker erneut auf der heimischen Brune Naht und empfangen hier den FC Geestland. Für die Eintracht!

Für die Eintracht im Einsatz: F. Bente, S. Utermark, K. Schulz (ab der 66. Minute K. Banach), M. Schmidt, E. Müsing, M. Arab, L. Krugmeier, K. Souza da Silva, A. Sama (ab der 44. Minute M. Poppe), T. Peters (ab der 88. Minute P. Raschke), R. Usko

 

Torschützen (Vorlage): 1:0 L. Krugmeier (47., Utermark), 1:1 M. Meyer (FE, 55., Pye), 1:2 P. Pannekamp (59.), 1:3 M. Meyer (76.), 2:3 L. Krugmeier (79., Peters)