1. Herren: Enttäuschender Auftakt ins Fußballjahr 2017 – Eintracht verspielt Big Points

IMMENBECK. Die Vorzeichen stehen vor dem Rückrunden-Auftakt in der Bezirksliga Lüneburg IV eigentlich gut für die Eintracht. Die Verletztensituation im Kader der Immenbecker verbessert sich zunehmend. Das letzte Testspiel gegen den FC Este 2012 wurde ebenfalls souverän mit 3:0 gewonnen. Auf der Gegenseite steht mit dem FC Wanna-Lüdingworth ein direkter Konkurrent im Abstiegskampf. Einen Punkt weniger als die Eintracht auf der Habenseite, gehen den Gästen aus der durch Janssen’s Tanzpalast in Nordeuropa nicht unbekannten Ortschaft, die Leistungsträger aus. Durch den Ausfall von Kapitän Jens Bochman (Gelb-Rot Sperre) und Maher Mansoor (Sportgerichtsverhandlung) fehlt die Schaltzentrale. Bei Immenbeck ist René Helmke wieder durch sein Studium eingebunden und nicht mehr spielberechtigt, Niko Bohmann pausiert bis auf weiteres. Timo Schneider hat die Eintracht ebenfalls verlassen.

Dass den Immenbecker Zuschauern das freudige Ereignis Heimspiel während der Wintermonate gefehlt hat, ist förmlich mit Händen zu greifen. Insgesamt tummeln sich etwa 100 Zuschauer auf der Sportanlage Brune Naht, darunter auch einige treue Seelen aus dem gut 90 Minuten entfernen Wanna-Lüdingworth. Stimmung kommt auf, die LKW-Hupe ist befüllt – Anpfiff. Das Spiel beginnt zerfahren und mit wenigen klaren Aktionen. Der junge Schiedsrichter Brian Backhaus wirkt in den Anfangsminuten etwas nervös, stabilisiert sich aber im Lauf der Partie sichtbar. Der FCWL verzeichnet durch einen wuchtigen Abschluss von Karsten Weihe die erste Chance, allerdings streicht der Ball deutlich über Tor und Ballfangzaun (5.). Kurz darauf wird Jonas Kock für Immenbeck erstmals auf die Reise geschickt, sein Bewacher Christian Ruks, der wie eine zweite Haut an Kock klebt, spritzt dazwischen. Schlussmann Grastorff nimmt den Ball auf – da kann man auch auf kontrollierten Rückpass entscheiden. Wie dem auch sei, an banalen Kleinigkeiten braucht sich keiner der konstant schwächer werdenden Immenbecker stören. Erster Beleg sind die vielfältig auftretenden Stockfehler und Fehlpässe im Aufbauspiel, die nur durch die noch höher liegende Zahl an planlosen Flugbällen überboten wird. Dem Matchplan von Wiede/Lünsmann verpasst FCWL-Stürmer Curras-Fonseca, dessen Nachname eher nach selbstgebranntem Übersee-Rum klingt, denn nach BZL-Kicker, den dicken Dämpfer dann, wobei er gleich drei Immenbecker düpiert. Fehlpass im Aufbau – Klassiker – und Curras-Fonseca nimmt Tempo auf. Per lässigem Vorlegen mit der Pieke entkommt er den Wachhunden Blendermann und Schmidt, bevor er ebenfalls mit dem spitz zulaufenden Endstück seines Fußes den Ball an Bente vorbei ins Tor spitzelt (15.). Da ging eine Menge schief. Völlig verunsicherte Immenbecker finden in den folgenden Minuten nicht mehr statt. Angeführt vom clever agierenden Neuzugang Sergio Gonzalez-Montez, sonst bekannt als Tuco Salamancas Handlanger in Breaking Bad, gewinnen die Gäste das Gros der entscheidenden Zweikämpfe – so auch direkt im Immenbecker Strafraum. Am Ende einer unübersichtlichen Aktion, steht Jannik Offermann blank und trifft mit seinem wuchtigen Abschluss aus spitzem Winkel von rechts unter die Latte (23.). Wanna-Lüdingworth belohnt sich für eine engagierte Leistung mit der verdienten Führung. In der Folge sind die Gäste bemüht, das Spielgerät weit vom eigenen Gehäuse fernzuhalten, was bis zur 32. Minute auch gut gelingt. Vorne reibt sich ein fleißiger Jonas Kock in den Duellen auf, wird aber zu oft allein gelassen. Das erste offensive Zeichen setzt dann Comebacker Lennart Müller. Immenbecks Edeltechniker fiel mit diversen Verletzungen an Knöchel und Ferse monatelang aus und stand letztmalig vor 11 Monaten im Kader. Es folgte lediglich ein Aushilfseinsatz als Keeper. Umso fröhlicher ist die Meldung, dass Lennart nach engagierter Vorbereitung wieder eine Option für verschiedene Aufgaben ist und sich den Einsatz verdient hat. Wir wünschen uns, dass er endlich verletzungsfrei seinem Hobby nachgehen kann. Über rechts wird Müller von Aykaya bedient und zieht in die Mitte. Dem Abschluss mit rechts fehlt es aber an Druck, sodass FC-Keeper Grastorff zum Eckball klären kann. Die folgende Flanke drückt Blendermann deutlich über den Querbalken (36.). Aus dem Nichts dann der Hallo-Wach-Effekt für die Eintracht. Marcel Marbes gelingt defensiv heute wahrlich nicht alles, aber durch einen entscheidenden Zweikampf gelangt der Ball zu Poppe, der sich etwas glücklich über links durchstochert und Grastorff mit dem schwachen Rechten überwinden kann (38.).

Blendermann, Müsing und Co. hatten gegen unbequeme Gäste viele Probleme. Foto: Meier

Nach der Pause bringt Coach Wiede den kopfballstarken Kevin Schulz für den angeschlagenen Wagner auf der rechten Seite. Die Ansprache hat offensichtlich gesessen, denn die Zuschauer sehen fortan eine kämpferisch angekommende und nun auch überlegene Immenbecker Mannschaft. Der FCWL kann durch den bärenstarken Curras-Fonseca immer wieder für Entlastung sorgen. Bis auf einen Freiflug im Strafraum, können zunächst glücklicherweise alle Szenen bereinigt werden. Im Zentrum gewinnt Immenbecks defensiver Sechser zusehend mehr Duelle und trägt so zum Aufschwung der Mannschaft bei. In Spielminute 60 kommt dann Timo Weseloh für Mirco Poppe (Probleme an der Achillessehne) um die Offensive nochmal anzukurbeln. Wenige Augenblicke später kann Weseloh sich zum Helden küren, säbelt aber knapp über einen Querpass von Jonas Kock 63. Kurz darauf ist Kevin Schulz aufgerückt und windet sich um einen Gegenspieler um den Weseloh-Pass aufs Tor zu bugsieren – drüber (66.). Jonas Kock spielt nun immer deutlicher seine Tempovorteile aus und bringt sich in aussichtsreiche Positionen. Der aufmerksame Grastorff hütet seinen Strafraum aber ohne Fehl und Tadel und fängt die Hereingaben sicher ab. Es braucht also einen Standard und den gibt es: Freistoß von Aykaya aus dem linken Halbfeld. Am Elfmeterpunkt springt Marbes am höchsten und wuchtet das Spielgerät über Grastorff hinweg in die Maschen (70.). Der Ausgleich ist geschafft und zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr unverdient. Im Gegenzug geht der Gast vermeintlich wieder in Führung. Kopfballsieger Ruks, der sich im Fünfer gegen Bente durchsetzt, soll aber im Abseits gestanden haben – Glück für Immenbeck (74.). Wiede und Lünsmann entscheiden sich, in den Schlussminuten aufs Ganze zu gehen. Mit Till Müsing (Liga-Debüt nach knapp 5-monatiger Verletzung) kommt ein weiterer Stürmer für seinen Bruder Eric (78.). Der Lucky Punch glückt kurz darauf aber leider den Gästen: Die heute nicht so dominante Immenbecker-Abwehrreihe bekommt den Ball nicht geklärt. Curras-Fonseca schaltet am schnellsten und legt im Strafraum quer auf den abseitsverdächtigen Offermann. Bente kann nur chancenlos zusehen, wie der Ball einschlägt (81.). Schlussoffensive: Bevor Müsing kurz darauf einköpfen kann, fischt der FC-Keeper Kocks Vorlagen-Kopfball von der Linie (87.). Weitere Chancen kreiert das Immenbecker Team leider nicht mehr. FCWL-Stürmer Curras-Fonseca hat kurz vor dem Abpfiff Glück, dass sein Tritt gegen Keeper Bente nicht geahndet wird. Der Stürmer wurde vorab bereits mit gelb verwarnt. Noch bitterer für die Eintracht: mit Jöran Blendermann und Marius Meyer fallen beim nächsten richtungsweisenden Spiel bei RW Cuxhaven mit der 5. Gelben Karte aus. Abpfiff.

Bevor wir zum Fazit kommen, möchten wir an dieser Stelle noch dem Unglücksraben des Wochenendes ein paar liebe Worte zukommen lassen. Yannic Dahling, Angreifer des FC Oste/Oldendorf verdrehte sich im Duell mit der SV Ahlerstedt/Ottendorf in schrecklicher Manier das Knie und fällt mit schwerer Verletzung auf unbestimme Zeit aus. Wir wünschen dem A/O-Neuzugang (Sommer 2017)alles Gute und vor allem viel Kraft, Geduld und Glück bei der vollständigen Genesung, die es zur Rückkehr auf den Platz braucht.

Fazit: Einem ganz schwachen Auftakt mit berechtigtem Rückstand folgte eine fußballerisch längst nicht optimale, aber zumindest kämpferisch tadellose zweite Halbzeit der Immenbecker. Die Punkteteilung war für beide Teams zu wenig, wäre unterm Strich aber das gerechte Ergebnis gewesen. Das glücklichere Ende hatten diesmal die leidenschaftlichen Gäste aus dem Landkreis Cuxhaven, die sich auch nach Abpfiff als faire Gegner und sympathische Mannschaft präsentierten. Nächste Woche steht Immenbecks, mittlerweile auf Platz 15 angekommen, gehörig unter Druck. Anpfiff ist um 15:00 Uhr. Wanna-Lüdingworth gastiert beim ASC Cranz-Estebrügge. Auf eine gute Trainingswoche – gemeinsam schaffen wir es aus dem Sumpf. Für die Eintracht!

Für die Eintracht im Einsatz: F. Bente, E. Müsing (ab der 78. Minute T. Müsing), M. Marbes, M. Schmidt, J. Blendermann, P. Wagner (ab der 46. Minute K. Schulz), M. Poppe (ab der 60. Minute T. Weseloh, C. Aykaya, M. Meyer, L. Müller, J. Kock

Torschützen (Vorlage): 0:1 D. Curras-Fonseca (13.), 0:2 J. Offermann (21.), 1:2 M. Poppe (38., Marbes), 2:2 M. Marbes (70., Aykaya), 2:3 J. Offermann (81., D. Curras-Fonseca)