Spielanalysen aus der Vogelperspektive

Michael Kadel bringt am Flutlichtmast die Vorrichtung an, von der aus die Spiele in der Totalen aufgenommen werden. Fotos: Bröhan

IMMENBECK. Der Fußball-Bezirksligist TSV Eintracht Immenbeck hat technisch aufgerüstet und befindet sich mit einer Installation in professioneller Gesellschaft. Drei Plätze wurden mit Coaching Eye ausgestattet. Die Videoanalyse soll zum Kinderspiel werden.

Michael Kadel ist eine Frohnatur. Am Morgen setzte er sich ins Auto und machte Strecke, aus dem heimischen Rimbach in Hessen nach Immenbeck. Nun kraxelt er gut gelaunt auf den dritten Flutlichtmast auf der Sportanlage Brune Naht herum. Dort installiert er die Vorrichtung für die Kamera seines Videoanalyse-Systems Coaching Eye. Sven Wulff, Obmann des TSV Eintracht Immenbeck, steht unten mit einem Tablet und sieht auf diesem, wie die Kamera das Spielfeld des Hauptplatzes in der Totalen filmt. Zusammen richten sie so die Kamera aus. Die Ausrichtung wird fixiert. Wenn die Kamera, eine GoPro, bei Spielen oder Trainingseinheiten zum Einsatz kommen soll, wird sie einfach an einem Stahlseil hochgezogen und klickt sich mit der jetzigen Ausrichtung in der Halterung ein.

„Perfekt“, ruft Sven Wulff, als die Kamera den Platz schön mittig einfängt. Michael Kadel zeigt den ausgestreckten Daumen und beendet seine Klettertour. Das Gleiche haben die Zwei auch schon auf den beiden unterhalb liegenden Kunstrasenplätzen gemacht. Installation abgeschlossen. Später folgt noch eine Schulung von Michael Kadel für Trainer des TSV Eintracht Immenbeck, wie sie mit der Videoanalyse-Software arbeiten können. Das Gesamtpaket kostet den Verein 5000 Euro, die wurden gespendet, so Wulff. Interessierte können sich Coaching Eye auch in Einzelsegmenten im Internet bestellen, das ist günstiger. Hardware, Software, Installation, Schulung im Gesamtpaket bietet Michael Kadel eh nur an, „wenn’s passt“, wie er sagt. „Wir sind eine bodenständige Firma, ein reiner Familienbetrieb“, sagt er, der eigentlich Lehrer ist.

Die Kamera wird vor einem Spiel am Seil hochgezogen.

Coaching Eye hat Michael Kadel für sich selbst entwickelt. Er tüftelte lange herum, sagt er. Kadel ist selbst Verbandstrainer mit A-Lizenz. Er wollte seinen Junioren eine professionelle Videoanalyse bieten und sie dadurch verbessern. „Vor allem wollte ich den Blick von oben haben und nicht nur seitlich“, erklärt er seinen Ansatz. Er experimentierte mit Drohnen. „Viel zu laut, viel zu kompliziert.“ Eine einzige Kamera mittig zum Platz am Flutlichtmast ist eine einfache Idee. Die Videoanalyse sollte aber auch einfach sein, und schnell, wenig kompliziert. „Die Trainer sollen das Gefühl haben, dass die Spielanalyse keine Arbeit macht“, sagt Michael Kadel.

Coaching Eye wird auch im Ausland verwendet

Die Kamera und ein Tablet sind über Bluetooth verbunden. Das Spiel wird in der Totalen live aufgezeichnet. Die Trainer sehen so alles. Die Software macht die Analyse dabei schnell und einfach. „Wenn ich während des Spiels etwas sehe, was wichtig ist, kann ich beispielsweise sofort einen Tracking-Punkt setzen“, erklärt Michael Kadel, dieser Punkt führt den Analysten später beim Schneiden direkt zur gewünschten Sequenz. Aber auch eine kurze Videoanalyse während der Halbzeit ist so schnell machbar.

Für die Spielanalyse können einzelne Szenen schnell gefunden werden. Fehler werden den Spielern malerisch leicht erklärt.

Vor allem für die Junioren

Und nun Immenbeck, Kadel sagt, er sei gerne gekommen. TSV-Obmann Sven Wulff ist im Internet auf Coaching Eye aufmerksam geworden. Er holte sich das Okay in der Fußballabteilung und nahm Kontakt auf. In dem Telefonat einigten sich Wulff und Kadel. Die Spiel- und Trainingsanalysen sollen vor allem den Junioren des Jugendfördervereins Buxtehude zugute kommen. Aber auch die Herrenmannschaften können profitieren, wenn die Trainer wollen. Kadel betont, dass seine ganze Intention auch viel damit zutun hatte, viel Man-Power einzusparen, die sonst für Spielanalysen vonnöten war. „Wir können uns auch vorstellen, das Material an interessierte Gegner abzugeben“, sagt Sven Wulff, gegen einen kleinen Betrag, aber das sei noch Zukunftsmusik.

Obmann Sven Wulff während der Installation mit Tablet.

Grundsätzlich werden die Spielanalysen aus der Vogelperspektive aus Datenschutzgründen nur für den Eigengebrauch genutzt und nicht veröffentlicht. Auf der eigenen Anlage ist es erlaubt zu filmen, die Zuschauer werden zudem durch Schilder darauf hingewiesen, dass sie eventuell gefilmt werden könnten.

Bei den zukünftigen Videoanalysen interessieren eh nur die Laufwege und Raumverschiebungen, und zu sehen ist fast nur das Spielfeld. Die Fußballer des TSV Eintracht Immenbeck haben jedenfalls ein neues Spielzeug.

 

Quelle: Buxtehuder Tageblatt, 29.03.2021 – Artikel von Jan Bröhan

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